Was macht ein Känguru an der Bockenheimer Warte? Am 8. August 2026 haben die GRÜNEN Frankfurt mit einer spektakulären Aktion auf die Notwendigkeit zu mehr Hitzeschutz aufmerksam gemacht. Dazu passt ein Antrag der GRÜNEN Fraktion im Ortsbeirats zu dem die folgende Pressemitteilung verfasst wurde:
Die Stadt darf ihre Bürgerinnen nicht weiter auf heißem Pflaster sitzen lassen
Angesichts der bereits fünften Hitzewelle dieses Sommers fordert die Fraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Ortsbeirat 2 ein deutlich entschlosseneres Vorgehen der Stadt für Hitzeschutz und Klimaanpassung. Besonders die dicht bebauten und stark versiegelten Stadtteile Bockenheim und Westend dürften nicht länger auf langfristige Umbauplanungen und unklare Zuständigkeiten vertröstet werden.
„Die nächste Hitzewelle wartet nicht darauf, bis Zuständigkeiten zwischen den Ämtern geklärt, Planungen abgeschlossen und irgendwann einmal Haushaltsmittel bereitgestellt sind. Wer auf einem nahezu unbeschatteten Platz steht, braucht heute Schatten und Schutz – nicht in zehn Jahren“, sagt Carola Scholz, Antragstellerin der GRÜNEN im Ortsbeirat 2.
Mit einem umfassenden Antrag fordert die Fraktion unter anderem eine abgestimmte Klimaanpassungsstrategie für Bockenheim und Westend, konkrete Entsiegelungsmaßnahmen, mehr Bäume und Verschattung, zusätzliche Trinkbrunnen, besser gepflegtes Straßenbegleitgrün, eine stärkere Einbeziehung privater Grundstückseigentümerinnen sowie eine klimaangepasste ÖPNV-Infrastruktur.
Kulturcampus: „Ein heißer Platz wird nicht kühler, nur weil irgendwann gebaut werden soll.“
Besonders kritisch sieht die Fraktion den Umgang mit dem Kulturcampus. Dort dürften langfristige Planungen und teilweise ungeklärte Eigentumsverhältnisse nicht länger als Begründung dafür dienen, kurzfristige Verbesserungen aufzuschieben. „Ein heißer Platz wird nicht kühler, nur weil irgendwann in der Zukunft ein großer Umbau geplant ist“, so Scholz. „Zwischennutzung muss Hand in Hand gehen mit Hitzeschutz: Große Pflanzkübel, Bäume, mobile Verschattung und Teilentsiegelungen als Zwischenlösung sind keine Jahrhundertprojekte. Dafür braucht es vor allem politischen und planerischen Willen.“
Die Fraktion fordert deshalb, besonders aufgeheizte öffentliche Plätze bereits vor späteren Umbauten aufzuwerten und zu begrünen.
Entsiegelung endlich konkret machen
Die Stadtverordnetenversammlung hatte bereits 2022 ein stadtweites Entsiegelungs- und Begrünungskonzept beschlossen. Nach Auffassung der GRÜNEN muss daraus nun konkret hervorgehen, was dies für einzelne Stadtteile bedeuten kann.
Das städtische Entsiegelungskataster soll deshalb dem Ortsbeirat vorgestellt werden. Ziel sei es, konkrete Flächen in Bockenheim und Westend zu identifizieren, auf denen Asphalt und Pflaster zurückgebaut, Regenwasser besser aufgenommen und neues Grün geschaffen werden kann.
„Abstrakte Konzepte helfen uns nicht weiter. Wir müssen jetzt schnell handeln, denn die nächste Hitzewelle kommt bestimmt. Wenn auf städtischer Ebene Ressourcen fehlen, könnte man die Nachbarschaft aktivieren und eine Mitmach-Aktion für Hitzeschutz starten”, sagt Katrin Haus, Fraktionssprecherin der Grünen im Ortsbeirat 2. “Wichtig ist, dass wir ins Machen kommen. Jede kleine Maßnahme ist besser als Stillstand.”
Als Maßstab soll dabei unter anderem die sogenannte 3-30-300-Regel dienen: Von jeder Wohnung aus sollten mindestens drei Bäume sichtbar sein, im Wohnumfeld eine Baumbeschirmung von rund 30 Prozent erreicht werden und die nächste Grünfläche höchstens 300 Meter entfernt liegen.
„Wer in einem dicht bebauten Quartier lebt, darf beim Hitzeschutz nicht Bürgerin zweiter Klasse sein“, so Haus. „Gerade dort, wo heute am wenigsten Grün vorhanden ist, muss die Stadt am meisten investieren.“
Schloßstraße und Adalbertstraße: Hitze-Hotspots schneller umbauen
Besonderen Handlungsbedarf sehen die GRÜNEN in Straßen wie der Schloßstraße und der Adalbertstraße. Diese heizten sich im Sommer stark auf und müssten bei Umbauten und Begrünungsmaßnahmen stärker priorisiert werden.
Die Umgestaltung der Schloßstraße solle deshalb schneller vorangetrieben werden. In der Adalbertstraße fordert die Fraktion unter anderem bessere Pflege und Bewässerung des Straßenbegleitgrüns. Auch begrünte Gleise sowie die Entsiegelung und Begrünung von Verkehrsinseln sollen geprüft werden.
„Wir können nicht einerseits über Schwammstadt und Klimaresilienz sprechen und andererseits zusehen, wie Straßenbäume vertrocknen, Baumscheiben veröden und Ersatzpflanzungen Jahre auf sich warten lassen“, kritisiert Carola Scholz.
Der Erhalt bestehender Bäume müsse grundsätzlich Vorrang vor Fällungen haben. Wo Bäume dennoch entfernt werden müssen, fordert die Fraktion einen deutlich stärkeren Ausgleich durch Neupflanzungen.
Trinkbrunnen und Straßenbahnen gehören zum Hitzeschutz
Auch zusätzliche Trinkbrunnen auf öffentlichen Plätzen sollen nach dem Willen der GRÜNEN schneller umgesetzt werden. Der Ortsbeirat habe bereits geeignete Standorte vorgeschlagen.
Zum Hitzeschutz gehöre außerdem ein öffentlicher Nahverkehr, der auch bei hohen Temperaturen sicher und zumutbar genutzt werden könne. Besonders auf der Tram-Linie 17 seien weiterhin häufig ältere Fahrzeuge unterwegs, die weder klimatisiert noch barrierefrei seien. „Eine Straßenbahn ohne Klimaanlage kann sich an heißen Tagen in eine rollende Sauna verwandeln. Für ältere Menschen, Kinder, Schwangere oder Menschen mit Vorerkrankungen ist das nicht nur unangenehm, sondern gesundheitsgefährdend”, sagt Haus.
Die Fraktion fordert deshalb, möglichst nur klimatisierte und barrierefreie Fahrzeuge einzusetzen und ältere Wagen schneller zu ersetzen oder, soweit sinnvoll und technisch möglich, nachzurüsten.
Klimaanpassung endet nicht am Gartenzaun
Auch private Eigentümerinnen müssten nach Auffassung der GRÜNEN stärker eingebunden werden. Gerade in den dicht bebauten Gründerzeitvierteln gebe es große Begrünungspotenziale in Hinterhöfen, auf Dächern, Fassaden und privaten Stellplatzflächen.
Das städtische Klimabonus-Programm bietet einen Anreiz und breite Fördermöglichkeiten. Es erreiche aber bislang zu wenige Menschen und müsste bekannter werden. Wer in einem ohnehin stark versiegelten Viertel weiter verdichtet, muss auch Verantwortung dafür übernehmen, dass dort Wasser gespeichert, begrünt und verschattet wird“, sagt Scholz.
Die kommunale Grün- und Freiraumsatzung müsse deshalb überall dort konsequent angewandt werden, wo dies rechtlich möglich sei. Umbauten und Erweiterungen im Bestand sollten stärker mit Dach- und Fassadenbegrünung sowie Maßnahmen zur Regenwasserspeicherung verbunden werden.
Frankfurt soll von Wien und Paris lernen
Die GRÜNEN fordern außerdem, stärker von anderen europäischen Städten zu lernen. Wien und Paris hätten längst begonnen, Straßen umzubauen, Asphaltflächen zurückzunehmen, Bäume auf ehemaligen Parkplätzen zu pflanzen und zusätzliche Grünräume zu schaffen.
„Andere Großstädte behandeln Hitze längst als Infrastrukturproblem. Auch in Frankfurt müssen Maßnahmen für Hitzeschutz und Klimaanpassung politische Top-Priorität haben und mit ausreichend Mitteln ausgestattet werden”, sagt Katrin Haus.
Der Antrag umfasst neun konkrete Handlungsfelder. Ziel ist eine verbindlichere, schnellere und systematischere Klimaanpassung für Bockenheim und Westend.
„Hitzeschutz ist keine Verschönerungsmaßnahme“. Es geht um Gesundheit, Lebensqualität und darum, ob unsere Stadtteile auch in immer heißeren Sommern noch bewohnbar bleiben“, so die GRÜNEN abschließend.
Hier geht es zum vollständigen Antrag.